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Erinnerungen

Heller, Reinhard F. F.

Ferne Heimat Sudetenland


Erinnerungen und Gedanken

2021. 360 Seiten. Klappbroschur.
Euro 31,90 (D)
ISBN 978-3-86455-666-1. edition fischer


»Ferne Heimat Sudetenland« schildert die Lebensgeschichte zweier deutscher Familien, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ihre nordböhmische Heimat in der Tschechoslowakei verlassen mussten. Beide verschlug es in die sowjetisch besetzte Zone. Der Verfasser Reinhard F. F. Heller, Nachgeborener dieser Vertriebenen, trug in einer Dokumentation eigene Erinnerungen an Eltern und Großeltern zusammen. Unterlegt mit Erlebnisberichten enger Weg- und Leidensgefährten, Tagebuchaufzeichnungen, Briefen und Fotografien entstand so ein erschütterndes Bild von einer Zeit vollkommener Entrechtung, Entwürdigung und Enteignung und dem sich über Jahre hinziehenden Prozess der Neufindung in der Fremde. Auf zwei Fragen werden immer wieder Antworten gesucht: Wie hat es soweit kommen können, dass drei Millionen Deutsche von ihren tschechischen Landsleuten vertrieben wurden? Und: Wer hat sich im ethnischen Konflikt zwischen Deutschen und Tschechen schuldig gemacht?

Das Buch hat der Verfasser dem Andenken seiner Vorfahren gewidmet. Er möchte es jedoch auch als Mahnung für Gegenwart und Zukunft verstehen, rechtzeitig und entschieden gegen fanatische nationale Selbstüberhöhung und Fremdenhass einzuschreiten.

Reinhard F. F. Heller umreißt einleitend in einer Retrospektive einige Aspekte der siebenhundertjährigen deutschen Besiedlung in Böhmen und Mähren. Zahlreiche Exkurse, in denen auf historische Hintergründe, Fachbegriffe, Biografien u. a. eingegangen wird, dienen dem Leser zu einem tieferen Verständnis der zum Teil komplizierten historischen Zusammenhänge. Der familiengeschichtliche Rahmen reicht von der kaiserlichen und königlichen Monarchie Österreich-Ungarn bis zu den Lebensverhältnissen in der DDR. In Kapiteln wird beispielsweise die unterstützende Rolle der in den westlichen Besatzungszonen Deutschlands ansässig gewordenen Verwandtschaft geschildert sowie persönliche Eindrücke und Emotionen bei Besuchen des Autors im Land seiner Vorfahren mitgeteilt. Die von den Vertriebenen in der Fremde bewahrten Relikte der sudetendeutschen Identität werden beleuchtet. Ebenso wird auf einige in Extremsituationen entwickelte Traumata eingegangen, die auf die Generation der Nachgeborenen abgefärbt haben und zwar bei eingehender Betrachtung möglicherweise in einem stärkeren Maße, als dies bisher von den Betroffenen selbst für wahrscheinlich gehalten wurde.


Über den Autor:



Reinhard F. F. Heller,
geboren 1956 in Eilsleben bei Magdeburg, studierte von 1975 bis 1979 Landwirtschaft an der Martin-Luther-Universität Halle/Wittenberg und war anschließend in der Pflanzenzüchtungsforschung und in agrarhistorischen Freilichtmuseen tätig, bevor er 2009 in die Archäologie wechselte und im Auftrag des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt an vielen Ausgrabungen und baubegleitenden Untersuchungen beteiligt war. Zahlreiche Publikationen zum historischen Gartenbau und zur Geschichte bedrohter Kulturpflanzenarten und -sorten. Der Autor lebt und arbeitet in der Altmark im Norden von Sachsen-Anhalt.